Badia Masabni "El Aroussa" Magazin 03. Mai 1933. B1

* 1892/1894 (Damaskus) - † 23.07.1976 (Beirut)

Badia Masabni (1) gilt nicht nur als die unumstrittene Wegbereiterin des „Raks Sharqi“(2).
Sie war die letzte Awalem, die den orientalischen Tanz aus der Privatheit der Frauenhäuser auf die Bühnen des Nahen Ostens brachte.

Sie führte auch ein ganz und gar ungewöhnliches Frauenleben im Ägypten der 1930ziger und 1940ziger Jahre.

Mit ihren beiden „Salas“ (3) dem „Casino Badia“ und später dem „Casino Opera“ kontrollierte sie die Kairoer Nachtclubszene auf einzigartige Weise, und behauptete sich in einer patriarchischen, muslimischen Welt, in der kaum eine Frau das Haus verlassen konnte um etwa eine Ausbildung zu machen, oder arbeiten zu gehen geschweige denn öffentlich aufzutreten und zu tanzen.

(Von Cornelia Rother, November 2012)

Badia Masabni: ihre Freunde, ihre Wege

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Werbefilm für Badia´s Sala "Casino Badia", 1934

Spielfilm über Badia Masabni. (1975 gedreht)

Interview mit Badia Masabni

Interview mit Badia Masabni, Talkshow "Stars on Earth" (Libanon), Moderatorin Leila Rustam
Ab 0:17:12 bis 0:20:45 sieht man Badia singen und Zimbeln spielen.


Bei der Audiodatei handelt es sich um ein Original von Munira al-Mahdiyya, die Künstlerin, die Badia sehr vereehrte und deren Gesangsstil Badia in ihr Repertoire mit aufnahm. Quelle: Freemusicarchive

Badia Masabni in einem traditionellen Syrisch/Libanesischen Kostüm. 1912. B2

Badia Masabni wurde, als eines von 7 Geschwistern, in Damaskus (4) geboren. Ihre Mutter war Syrierin, ihr Vater Libanese. Er besaß eine kleine Seifenfabrik. Badia´s Kindheit war von Schicksalsschlägen und Armut geprägt. Der Vater starb früh. Dann brannte die Seifenfabrik (5) vollständig ab und die Familie war mittellos. Auch ihr jüngerer Bruder, der eigentlich die Rolle das neue Familienoberhaupt hätte einnehmen sollen, starb früh. Die ältere Schwester trennte sich von ihrem Mann und kam, ebenfalls mittellos, zur Familie zurück. Schließlich verkaufte die Mutter ihren Schmuck um die Not zu lindern. Dazu kam es jedoch nicht, die Familie wurde ausgeraubt.

Das schlimmste Unglück, das ihr Leben für immer verändern sollte, ereilte Badia im Alter von 7 Jahren. Sie wurde von dem Barbesitzer vergewaltigt, in dessen Etablissement ihr Bruder Tawfik regelmäßig verkehrte. (6) Obwohl Opfer hing ihr nun die „Schande“ an nicht mehr „Jungfrau“ zu sein. Badia galt als die Wurzel allen Elends. Ihre Mutter machte sie künftig für alle Unglücke und Missgeschicke, die die Familie zu erdulden hatte verantwortlich. Die Demütigungen kamen auch von außen. Die gesamte Familie wurde gemieden. Die Nachbarschaft wendete sich ab, Freunde weigerten sich weiterhin Kontakt zu pflegen. (7) Die Situation wurde derart unerträglich, dass sich die Mutter entschloss mit Badia und einigen Geschwistern nach Argentinien auszuwandern.(8)

Um die notwendigen Mittel für die Schiffsreise zu beschaffen, verpfändet Badia´s Mutter das einzig verbliebene Eigentum nach dem Brand, das Haus der Familie in Damaskus. In Buenos Aires fanden sie Unterkunft in einem Armenviertel; zu sechst lebten sie in einem Raum. Das Leben der Familie war auch hier extrem schwierig; sie lebten von der Hand in den Mund. Nach und nach verlor sich der Familienzusammenhalt. Die Schwester Nazla wurde mit einem Mann aus der Levante verheiratet. Die Brüder gingen ihre eigenen Wege und ließen sie und ihre Mutter mittellos allein zurück. Einzig während ihrer Schulzeit in Buenos Eires fand Badia glückliche Momente. Hier entdeckte sie ihre Liebe für Schauspiel, Gesang und Tanz.

Als Teenager war Badia im heiratsfähigen Alter und die Mutter beschloss, nach nur 8 Monaten Aufenthalt in Argentinien, mit Badia zurück in den Libanon zugehen um einen Ehemann für sie zu suchen. (9) Die Vergangenheit aber ließ die junge Frau nicht los. Die Hochzeitsverhandlungen erfolgten in aller Stille. Aber Badia´s Mutter erzählte der Nachbarschaft dennoch von Badia´s „Glück“ einen Ehemann gefunden zu haben. Daraufhin informierten diese den Bräutigam über die Vergewaltigung, woraufhin er die Verlobung löste.

Es folgte eine Zeit ständiger „Wanderschaft“. Immer wieder wechselten die Mutter, und somit auch Badia, ihren Wohnsitz zwischen Damaskus und Beirut. Badia arbeitete zeitweise in Schneidereien um für sich und ihre Mutter den Lebensunterhalt zu verdienen. Eine der Stationen für Badia war das Haus ihres Cousin George Masabni. Er hatte sie aufgenommen. Das anfänglich große Glück entpuppte sich jedoch bald als schlimme Demütigung, denn George ließ Badia im Gegenzug für freies Wohnen und Verpflegung als Dienerin für die eigene Familie arbeiten.

Auch lernte Badia den Palästinenser Michael Hasbani kennen. Zwischen den beiden entwickelte sich eine Liebesbeziehung und sie wollten heiraten. Hasbani´s Mutter erfuhr jedoch von Badia´s Vergewaltigung, und Bestand darauf, dass Badia eine stattliche Summe Geldes mit in die Ehe zu bringen habe um ihre „Schande“ der Entjungferung zu sühnen. Ihr Bruder Tawfik, der inzwischen mit seiner eigenen Familie im Haus der Mutter in Damaskus lebte, stimmte nicht zu, dass eine Hälfte des Hauses an Hasabni als Brautgeld überschrieben wurde. Die Hochzeit platzte.

1910 (mit ca. 17 Jahren) schließlich entschied Badia ein neues Leben zu beginnen und sich von ihrer Familie abzuwenden. Sie stahl ihrer Mutter einen Scheck in Höhe von 50 Gold Lira und bestieg in Damaskus den Zug Richtung Beirut. Ihr Ziel war Sheikhan (im heutigen Irak), dort lebte inzwischen ihre Schwester Nazla.

Badia Masabni (B3)

Im Zug lernte Badia eine Griechin kennen, die sich ihrer annahm und sie überredet in Beirut in ihrem Haus zu übernachten bevor sie nach Sheikhan weiter reiste. Badia nahm das Angebot an und erkannte erst einen Tag später, dass die Frau ein Bordell führte und Badia zur Prostitution zwingen wollte. Mit Hilfe eines der Mädchen aus dem Bordell ergriff Badia erneut die Flucht. Nicht ohne vorher ihren Scheck einzutauschen. In der Bank erlebte Badia erneut eine Überraschung. Ihre Mutter war ihr nachgereist und passte sie bei der Bank ab.

Zunächst fuhren beide weiter nach Sheikhan zu Badias Schwester. Aber Badia war in Gedanken bereits unterwegs nach Kairo. Die einzige Möglichkeit für sie Geld zu verdienen, ohne ihren Körper zu verkaufen, war zu tanzen und zu singen. Und so träumte Badia von der Welt des Theaters, von Sheik Salama Hijazi (10), Sayed Darwish (11), Badi Khairy, Naguib el-Rihani (12) und vielen anderen Stars der ägyptischen Kunst- und Kulturszene jener Zeit. Sie wollte ebenfalls auf der Bühne stehen. Tatsächlich konnte Badia ihre Mutter überreden, mit ihr nach Kairo zu gehen, schließlich hatte Badia einen Onkel dort und der war reich!

Badia fand ihre erste künstlerische Arbeit in der Sala „Nazhat en-nufus“, die von der Sängerin Mounira El Mahdeya (13) geleitet wurde. Mounira wurde zu Badias großem gesanglichen Vorbild.

Badia verbrachte ihre Zeit häufig im Botanischen Garten von Azbakeya. Eines Abends sah sie eine Gruppe von Menschen, die alle laut aus Büchern lasen und dabei ihre Körper nach rechts und links wiegten. Sie fragte einen von ihnen wer sie denn seien, und er antwortete lachend „eine Gruppe von Schauspielern auf dem Weg ins Theater, und sie wiederholen ihren Text“. Badia fragte ob sie die Vorstellung ansehen dürfe. Der Mann den Badia angesprochen hatte war der Schauspieler und Theaterautor Fouad Salem, der ihr George Abiyad (14) vorstellte. Abiyad hatte 1911 sein eigenes Theaterensemble gegründet. Er war sofort von ihrer Schönheit und Ausstrahlung fasziniert und versprach ihr Schauspielunterricht zu erteilen (15). Das war der Anfang ihrer großen Karriere.

Als Badia schließlich debütierte hatte sie auf Anhieb Erfolg, und sie wurde zum neuen „Thema“ in Künstlerkreisen. Sie konnte einige, für ihre spätere Karriere in Kairo wichtige, Kontakte knüpfen u.a. mit dem ägyptischen Schauspieler Aziz Eid und dem Herausgeber des ägyptischen Magazins „Rosa el Yousef“, Fatima el Yousef.

Zu dieser Zeit war Badia das jüngste Ensemblemitglied. Für 5 Gold Lira im Monat spielte sie kleinere Rollen, und sprang für andere Schauspielerinnen ein. Ihrer Mutter erzählte Badia sie hätte eine Arbeit als Näherin gefunden. Als Badia´s Mutter die Wahrheit über die Arbeit ihrer Tochter erfuhr, war sie entsetzt, hatte die Tochter ihrer „Schande“ nun eine neue hinzugefügt. Sie bestand auf ihre Rückkehr in den Libanon. Badia flüchtete zum dritten Mal in ihrem Leben. Als der Zug, der sie nach Alexandria bringen würde um von dort ein Schiff nach Beirut zu nehmen, in den Bahnhof einfuhr, sprang Badia auf die andere Seite der Gleise und rannte so schnell sie konnte davon.

Badia nahm ein Engagement bei der „El Shami Theater Group“ an. Hier spielte sie größere Rollen und bekam auch mehr Gage. Sie beteiligte sich an einer Tournee durch Oberägypten. Eine der ersten Städte war Bani Suef, hier gab die Truppe 5 Vorstellungen. Die Show war ein großer Erfolg für Badia, obwohl ihre Rolle klein war. Die nächste Stadt war Minya. Auch hier war Badia erfolgreich. Der Theaterdirektor Sheik Ahmed Al Shami beobachtete sie intensive. Neben ihrem schauspielerischen Können, besaß Badia eine tragende Stimme. Dies war von entscheidender Bedeutung für eine Schauspielerin in jener Zeit. Ohne Mikrofon und technische Hilfsmittel musste man in der Lage sein nur mit Hilfe des eigenen stimmlichen Resonanzbodens den Saal ausfüllen. El Shami gab Badia die Hauptrolle in dem Stück “The Supernatural Son” (16).

Danach lebte sie eine Zeit bei ihrem Freud dem Rechtsanwalt Saeed Zaki. Mit ihm besuchte sie die Theater und Salas in Kairo. Hier lernte Badia den Libanesischen Journalisten Yousef Shamoun, der ihr 1914 ein Engagement im Theater “Madame Jeanette” (17) in Beirut verschaffte.
Die Französin Madame Jeanette beschäftigte rund 14 europäische Künstler und Künstlerinnen überwiegend Franzosen, Österreicher, Rumänen und Deutsche, die vor einem libanesischen Oberklasse Publikum auftraten. Generell war es unüblich in den Salas einheimische Musik und Tanzdarbietungen zu sehen.
Badia beherrschte nicht nur den westlichen Tanzstil, sondern auch den orientalischen, und sie konnte im unverkennbaren Stil von Mounira El Mahdiya singen. Außerdem war sie eine Virtuosin im Spiel der Zimbeln. Ihren ersten Auftritt in dieser Sala hatte Badia am 15. September 1914. Sie sang ein syrisches Volkslied in der Interpretation von Mounira el Mahdiya. Zu dem arabischen Lied “Ahh Ya Asmarani El Loun Habibi Ya Asmarani” tanzte sie mit Zimbeln. Badia führte so die Tradition der „Awalim“ (18) auf der Bühne fort, und begeisterte damit ihr Publikum.

Badia hatte ihren Durchbruch als Künstlerin geschafft. Sie wurde der gefeierte Star der Beiruter Kunst- und Nachtclubszene. Sie verdiente an ihrem ersten Abend um die 8 Gold Lira. Das war keine fest vereinbarte Gage, sondern Trinkgeld, dass ihr das Publikum für ihre Darbietung gab. Zu dieser Zeit war es normal, dass die Tänzerinnen nur ihr Trinkgeld als Gage bezahlen. Oft genug mussten sie davon noch einen Teil an den Nachtclubbesitzer abgeben.
Madame Jeanette verdiente an den Auftritten von Badia sehr gut. Und bald schon bewies Badia ihren Geschäftssinn. Sie trennte sich einvernehmlich von Madame Jeanette und eröffnete in Beirut ihre erste eigene Sala unter dem Namen “Badia Cafe“ (19).

Badia Masabni um 1915, B4

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die selbständige Verwaltung abgeschafft und der Libanon Ende 1915 unter osmanische (türkische) Militärverwaltung gestellt. Neben Kairo und Damaskus war Beirut eines der Zentren einer Nationalbewegung, die während des Ersten Weltkrieges von den Osmanen blutig unterdrückt wurde. Unter anderem wurden auf dem Place des Canons in Beirut 1916 zahlreiche Menschen hingerichtet, der seitdem Place des Martyrs heißt und heute noch an dieses Ereignis erinnert (20). Viele Menschen flüchteten in den Wirren des Krieges in die Berge oder emigrierten. In den Städten brach die Infrastruktur zusammen, Hungersnot und Seuchen grassierten. Restaurants, Kinos, Theater und Nachtclubs schlossen ihre Türen, auch Badia musste ihre Sala aufgeben.

In dieser Situation bekam sie ein Angebot von Ahmed el Sharkawi auf einer Party zu singen und zu tanzen. Das war die erste private Veranstaltung bei der Badia auftrat. Im Rahmen eines solchen Auftritts lernte sie den türkischen Offizier Salah el Din kennen. Es entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen ihnen und Badia hatte diesem Mann viel zu verdanken. Mit seiner Hilfe konnte sie ihre Schwester Nazla in Sheikhan mit Lebensmitteln unterstützen.
Nach 1918/1919 normalisierte sich das Leben nur ganz langsam. Madame Jeannette war eine der Ersten die ihre Sala wieder eröffnete, und Badia erhielt erneut ein Engagement. Sie trat mit dem arabischen Musikerensemble auf, das sie auch bei ihren privaten Auftritten begleitet hatte. Das Publikum reagierte erstaunt, denn in den Salas erwartete man nach wie vor europäische Musiker. Aber Badia war beliebt beim Publikum und die erneute Zusammenarbeit der beiden Frauen war sehr erfolgreich.

Dennoch trennte Badia sich wieder von Madame Jeanette als sie ein Engagement im Café “Star of the East” für 30 Gold Lira pro Abend erhielt. Für die Nachkriegszeit war das eine enorm hohe Gage. Das Café befand sich über einem Geschäft auf dem Martyr's Square (Place des Martyrs) und war eigentlich eher eine Mischung aus Spielhalle und Bar, statt einer Sala. Eine Tanztruppe aus Östereich sorgte auf der winzigen Bühne für Unterhaltung. Badia´s Auftritte sorgten dafür, dass aus dem Etablissement ein seriöser Nachtclub wurde. Das Publikum war begeistert. Ihre Darbietungen waren erneut Hauptgesprächsthema, und nach und nach füllte sich das Café mit einem Publikum das Badia singen und tanzen sehen wollte. Sie engagierte 2 arabische Mädchen, die Schwestern Soraya and Bahiya Samika, mit denen sie ein Programm gestaltete. Badia wurde die Hauptattraktion im „Star of the East“.

Ihr Ruf erreichte Damaskus und sie erhielt etliche Angebote. Eines davon kam von Abu Fadil der Besitzer des Café “El Koutli“, das Badia annahm. In Damaskus hatte sie jedoch kein Glück. Das Café war wunderschön dekoriert und hatte eine große Bühne. Allerdings herrschte unter den Künstlern und Künstlerinnen ein enormer Konkurrenzkampf. So platzierten sich ihre Kolleginnen so auf der Bühne, dass sie hinter ihnen tanzen musste und kaum vom Publikum gesehen werden konnte. Ihre Versuche dies zu ändern schlugen fehl. Die Regeln schrieben vor, dass unbekanntere Tänzerinnen in der hinteren Reihe zu tanzen hatten, bis sie beim Publikum bekannter wurden. Für diese Werbung aber musste sie selber sorgen (21).

Das war ein Problem für Badia, denn sie befürchtete ihre Familie könnte von ihrem Aufenthalt in Damaskus erfahren, und schlimmer noch womit sie ihr Geld verdiente. Diese Angst war mehr als berechtigt. Eines Abends stürmte ihr Bruder Tawfik mitten im Auftritt auf die Bühne und griff Badia an. Er wollte sie erdrosseln, um die „Familienehre“ zu retten, denn mit Badia´s Tanzen und Singen hatte sie erneut Schande über die Familie gebracht. Das beherzte Eingreifen der Kollegen und des Publikums rettet ihr das Leben.
Badia entschloss sich nach Beirut zurück zu kehren. Ihre Rückkehr sprach sich sofort bei den Nachtclubbesitzern von Beirut herum, denn noch immer war allen die Geschichte bekannt, wie schnell Badia das Cafe „Star oft the east“ erfolgreich gemacht hatte. Schließlich nahm sie ein Engagement im „El Marsad Café” (Martyr's Square) an. Badia wurde sofort zur Attraktion. (22)

Dann wurde sie von Zaki Daher und Bashir el Kasser den Besitzern des damals berühmten Casino „Café Lunapark“ in Aleppo unter Vertrag genommen. Sie unterschrieb für eine Monatsgage von 75 Gold Lira. Dies war die höchste Monatsgage zu dieser Zeit.
Außerdem holte Badia ihre inzwischen vereinsamte Mutter aus Damaskus nach Beirut. Kurz nach ihrer Ankunft starb diese jedoch.
Schließlich erkrankte Badia an den Pocken. Das war für sie eine Katastrophe. Die Schönheit ihres Körpers und ihres Gesichtes war ihr ganzes Kapital, mehr noch als ihr tanzen und singen. Niemand würde ihre Kunst auf der Bühne bewundern, wenn Badia mit einem pockennarbigen Gesicht auftreten würde. Glücklicherweise wurde sie innerhalb von 2 Wochen wieder gesund und es blieben keine Narben zurück. Auch hier hatte Salah El Din seine Hand im Spiel. Ihm hat sie es zu verdanken, dass sie trotz überfüllter Krankenhäuser und mangelnder Medikamente alle erdenkliche medizinische Versorgung bekam.

Ihre Abreise nach Aleppo verzögerte sich erneut, da das Casino Lunapark einiger Renovierungsarbeiten unterzogen werden musste. Badia gastierte erfolgreich, einen Monat in Tripolis bei dem Nachtclubbesitzer Hasan Bek El Angi. Hier arbeitete sie mit ihrer Freundin und Kollegin Mary Bar zusammen, die sie schließlich auch nach Aleppo begleitete.
Im Lunapark wurden regelmäßig eine Nachmittags- und eine Abendvorstellung gegeben. Badia begeisterte ihr Publikm mit Songs wie "You are Syria Ya My Country" wobei sie stolz das traditionelle syrische Gewand der Frauen trug.

Zur selben Zeit war auch George Abiayd mit seinem Ensemble im Café Lunapark engagiert. Aber Badia´s ehemaliger Gönner konnte ihren Erfolg nicht übertrumpfen. Berühmt und erfolgsgewohnt, musste er mit ansehen, wie das Publikum seine laufende Vorstellung verließ um stattdessen Badia zu sehen. Badia´s Gage stieg von 75 Gold Lira auf 150 Gold Lira monatlich. Ihre Partnerin Mary Bar erhielt 90 Gold Lira.

Badia und Mary Bar kehrten am Ende der Sommersaison nach Beirut zurück. Über den Winter nahmen sie erneut ein Engagement im Cafe “Star of the East” an, obwohl ihnen der Besitzer auf Grund der Nachkriegszeit nur deutlich weniger bezahlen konnte als sie in Aleppo verdient hatten. Das Publikum dankte es ihnen mit frenetischem Applaus und stehenden Ovationen.

Zu dieser Zeit adoptierte Badia ein kleines Mädchen. Die Geschichte soll sich so zugetragen haben. Von dem Balkon ihres Hauses aus, beobachtete Badia ein junges Mädchen, das im Müll nach Lebensmittel suchte. Sie nahm das Kind auf. Das Essen, dass ihr gebracht wurde war reichlich und das Mädchen verschlang es gierig. Doch nach einer Woche starb das Kind, weil ihr ausgehungerte Körper die großen Mengen nicht auf einmal verarbeiten konnte.
Badia war zutiefst verzweifelt. Sie trauert und zog sich zurück. In dieser Zeit kam sie zu dem Entschluss ein Kind zu adoptieren. Badia wendete sich an ein Waisenhaus das von Nonnen geführt wurde und Kinder zur Adoption frei gab, deren übrige Angehörige nicht mehr für den Lebensunterhalt aufkommen konnten. Badia adoptierte ein dünnes, blondes Mädchen mit blauen, unschuldigen Augen dessen Vater in Südamerika geheiratete hatte. Anschließend kehrte er in den Libanon zurück, zeugte das Kind und nannte es Julia. Er verschwand und ließ seine Tochter zurück. Badia nannte sie Juliet.

Badia hatte jedoch kaum Zeit für das Kind auf Grund ihrer vielen Engagements. Zu dieser Zeit gastierte Badia je nach Saison in unterschiedlichen Casinos in Beirut, Tripolis und Aleppo. Ihre Gage stieg auf monatlich 200 Gold Lira. Sie sah Juliet nur zwischen ihren Aufenthalten in ihrem Haus, wenn sie von einer Stadt zu anderen reiste. Die Erziehung überließ sie ihrer Schwester Nazla. Entsprechend kühl war das Verhältnis des Kindes zu ihr. Juliet sah in Badia eine Fremde. Das störte Badia aber nicht. Sie freute sich, dass Juliet gesund heranwuchs und eine Schönheit wurde. Sie kaufte für ihre kleine Familie ein größeres Haus.

Auch hatte Badia eine leidenschaftliche Liebesaffäre mit Gamil Bek. Sie hatte ihn während einer ihren privaten Auftritte kennengelernt. Er war ihr auch anfänglich behilflich das Geld für den Hauskauf auf zu bringen. Leider endete die Affäre im bösen Streit, bei dem Gamil Bek Badia fast um ihren Besitz gebracht hätte.

Bevor sie jedoch nach Aleppo reiste kümmerte sie sich erneut um ihre Schwester und Mutter. Die schlimmen Nachkriegsumstände waren noch immer nicht beseitigt. Lebensmittelmangel und Krankheiten herrschten im Libanon. Badia holte daher ihre Schwester und deren drei Kinder Maria, Emile und Antoine nach Beirut und mietete für sie ein Haus. Dies geschah erneut mit der Hilfe ihres Freundes dem türkischen Offizier Salah El Din.

Badia Masabni B5

1921 ging Badia endgültig nach Kairo. Hier begann sie zunächst von vorne und trat in kleineren Nachtclubs auf. Das Nachtleben wurde von Ausländern kontrolliert. Libanesen, Syrier Engländer, Franzosen, Griechen, Türken, Deutsche und Amerikaner besaßen und führten die Salas. Auch die Tänzer/innen, Sänger/innen und Schauspieler/innen waren keine Ägypter.
Badia konnte sich jedoch glücklich schätzen, denn sie erhielt viel Unterstützung ihrer libanesischen und syrischen Geschäftsfreunde in der Szene. Sie hatte auf deren Hochzeiten und Partys getanzt und ihnen mit ihren Liedern ein Stück Heimat in das fremde Ägypten zurück gebracht.

Der libanesische Schauspieler Naguib el-Rihany war Gast bei einer dieser privaten Veranstaltungen und sah Badia tanzen und singen.
Naguib schrieb an einer Komödie über einen Baumwoll-Farmer mit Namen Kesh-Kesh Beih aus dem Dorf Kafr El Ballas, der nach Kairo kommt um seine Ernte zu verkaufen und anschließend in einen Nachtclub geht um das größte Geschäft des Jahres zu feiern. Kesh-Kesh Beih gewöhnt sich schnell an das Nachtleben und lebt in Saus und Braus mit den Tänzern/innen und Sängern/innen bis er all sein Geld ausgegeben hat. Dann geht er in sein Dorf zurück baut erneut Baumwolle an, um sie im nächsten Jahr zu ernten und wieder zurück nach Kairo kommen zu können. Badia war für Naguib die Idealbesetzung der weiblichen Hauptrolle.

Das Publikum liebte das Stück und Badia singen und tanzen zu sehen. Viele ihrer Lieder, aus den zahlreichen Musicals die sie mit Naguib zusammen inszenierte, wurden zu großen Hits (23). Badia war sehr bedacht darauf jede Nacht eine neue Tanzroutine, ein neues Musikstück und ein neues Kostüm zu präsentieren. Das faszinierte das Publikum, und Badia gelang es ihre Zuschauer immer wieder zu überraschen. Der Ruhm und die Bewunderung eröffneten Badia einige finanzielle und künstlerische Türen.

Zwischen Badia und Naguib, entwickelte sich eine leidenschaftliche und turbulente Liebesbeziehung. Sie heirateten, doch die Ehe hielt nur 2 Jahre. Nach zahllosen Trennungen und Versöhnungen verließ Badia ihn 1926 endgültig.

Badia Masabni B6

1926 eröffnete Badia ihre erste ägyptische „Sala“, dass "Badia Masabni" in der Emad El Deen Street (24). Doch bald schon zog sie mit ihrer Sala in eine bessere Gegend am Nil und eröffnete das „Casino Badia“.
Das „Casino Badia“ war mehr als eine gewöhnliche „Sala“, es wurde der Szene-Nachtclub in Kairo. Hier traf sich alles was in Künstlerkreisen Rang und Namen hatte. Das „Casino Badia“ war bald so berühmt, dass „… der Volksmund die dort gelegene Brücke Kubri el-Inglish nach ihr benannte: Kubri „Badiaa““ (Lüscher, S.64)

Badia entwickelte ein Programm in dem europäische und arabische (lokale) Künstler auftraten, und kurze Szenen darboten, die sowohl den Geschmack des europäischen als auch des ägyptischen Oberschichtenpublikum traf. Außerdem veranstaltet Badia einmal wöchentlich eine Sondervorstellungen nur für Frauen. Damit war außerhäusliche Unterhaltung für muslimische Frauen nicht länger ein Privileg.
Neben Tänzerinnen, Sänger/innen und Schauspieler/innen engagierte Badia auch Autoren, die eigens für ihre Show die Stücke und Sketche schrieben.
Badia tanzte und sang verschiedene Nummern selbst. Zumeist begleitet von einem Frauenchor im Hintergrund, der auch tanzte. Die Nacht in der Sala wurde mit der Präsentation verschiedener ägyptischer Tänze beendet. Nach und nach veränderten sich diese Volkstänze unter Badia´s Einfluss:

  • Das Repertoire der Armbewegungen war begrenzt, zumeist hielten die Tänzerinnen ihre Arme an den Seiten. Badia ergänzte das Repertoire mit hoch über den Kopf genommene Arme, und fließenden Bewegungen, die später als „Schlangenarme“ bekannt wurden.
  • Auch der Umgang mit dem Bühnenraum änderte sich. Die Ghawazee (25) und Almeh (26) tanzten fast ausschließlich an einem Platz und verwendeten keine Raumbewegungen. Badia forderte von den Tänzerinnen, dass sie den gesamten Bühnenraum für ihre Darbietung nutzten.
  • Unter den traditionellen Tänzerinnen war die Improvisation üblich. Auch hier tat sich Badia als Pionierin hervor da sie erstmals Choreographien einsetzte (27).
  • Da das Publikum, welches in den hinteren Reihen saß die Bewegungen nicht richtig sehen konnte, führte Badia den Tanz mit dem Schleier ein. Ein Schleier erzielte mehr Wirkung über den großen Abstand zum Publikum hinweg. Vielleicht war sie von Isadora Duncan (28) inspiriert, die erstmals in Paris mit dem Schleier tanzte.
  • Darüber hinaus führte Badia BH und Gürtel mit Perlen und Pailletten für ihre Tänzerinnen ein. Das zweiteilige Kostüm, dass wir untrennbar mit dem orientalischen Tanz verbinden, erschien erstmals während der Periode, die vom Hollywood Film und den europäischen Nachtclubs wie das “Moulin Rouge" inspiriert war. Diese Kostüme wurden auch kreiert um dem Geschmack der europäischen Kolonisten gerecht zu werden, die das originale Kostüm (langes Kleid) nicht freizügig genug empfanden.
  • Badia nahm auch Einfluss auf die Musik. In ihrem Casino traten klassisch ausgebildeten Musiker auf, die in einer Art Orchester spielten, und zu den klassischen Instrumenten auch volkstümliche Instrumente wie die „Riqq“ (29), „Derboukka“ (30) und „Ney“ (31) spielten.
  • Die Musikstücke wurden ergänzt durch das „Taqsim“, eine musikalische Improvisation die den geraden, strengen Rhythmus des „Maqsoum“ (Baladi Rhythmus) veränderte. Die Kompositionen wurden immer komplexer und damit auch die Tanzbewegungen.
  • Badia beschäftigte westliche Choreografen wie z.B. Isaac Dixon, Robbie Robinson und Christo, die Elemente anderer Tanztraditionen etwa aus dem Ballett oder Standarttanz dem ägyptischen Volkstanz hinzufügten. Z.B. Drehungen und Schrittfolgen.
  • Der spätere Lehrer und Meisterchoreograf Ibrahim Akif, der mit Badia zusammenarbeitete entdeckte den “Shimmy”, die wellenförmigen Bewegungen (inclusive die Bewegungen die wir als “Kamel” bezeichnen), Beckenkreise und „Achten“, genauso wie verschiedenste Hüftakzente (Lift / Drop) als die originalen orientalischen Bewegungen.

All diese neuen Elemente Badia´s führten dazu, dass sich aus den ägyptischen Volkstänzen eine Bühnenform entwickelte der heute als der klassische „Raqs Sharki“ gilt. (Tanz des Ostens -> Orientalische Tanz).

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Badia Masabni nicht die alleinige Erfinderin des „Cabaret-Stil“ ist. „Die von ihr kreierte Form des ägyptischen Tanztheaters war vom damaligen Zeitgeist beeinflusst. Badia orientierte sich an europäischen Vorbildern, von denen es damals bereits etliche in Kairo gab. Vor allem eine Dame namens Madame Marcelle trug viel zu der neuen Entwicklung bei, führte sie doch gleich mehrere kleine Theater mit europäischen Unterhaltungsprogramm und Tanzdarbietungen.“ (Lüscher, S. 65)
Auch sind sich nicht alle einig, ob diese Entwicklung des traditionellen ägyptischen Volkstanzes vorbehaltlos zu begrüßen ist. Einerseits wurde er zur Bühnenform, andererseits aber in einer Atmosphäre der Nachtclubs deutlich erotischer, freizügiger und dem Geschmack eines Europäischen Publikums angepasst. Was nicht unbedingt immer als positiv angesehen wird.

Badia hatte mit ihrer Sala über viele Jahre großen Erfolg. Einer der wenigen Rückschläge in dieser erfolgreichen Zeit erlebte Badia, als ihr Neffe Antoine, den Badia als ihren Theaterdirektor beschäftigte und der außerdem mit ihrer Adoptivtochter Juliet verheiratet war, sich in Beba Azzadine eine Tänzerin aus Badia´s Ensemble verliebte. Antoine und Beba verließen Badia und eröffneten ihr eigenes Casino in Badia´s Stil. Die Konkurrenz konnte ihr jedoch nicht viel anhaben. Badia blieb erfolgreich.

1935 investierte Badia ihr Vermögen in das Filmprojekt „Malikat el-masarih“ (Die Königin der Theater), das allerdings scheiterte. Sie verlor ihr Geld und erklärte ihren Bankrott. Sie musste Kairo verlassen und ging mit ihrem Ensemble in Unterägypten auf Tournee. Die junge Tahia Carioca, noch ein Teenager, war Teil ihrer Begleitung.

Badia Masabni "al-Ithnayn" Magazin, Nr. 206, 23. May 1938. B7

Noch verschuldet, lieh Badia sich Geld um ihr größtes Projekt in Angriff zu nehmen. Sie kaufte ein Stück Land am “Royal Opera Square” im Herzen Kairos und baute ein Haus mit einem großem Kino und einem großzügig ausgestatteten Nachtclub, mit einer speziellen Technik des Drehtheaters, im Erdgeschoß. Außerdem gab es eine Bar im amerikanischen Stil und ein Café. Im ersten Stock war ein erste Klasse Restaurant untergebracht und ein Dachgarten mit einer atemberaubenden Aussicht über Kairo. Das "Casino Opera" eröffnete 1940 und war erfolgreicher als alle bisherigen Projekte Badia´s.

Als der 2te Weltkrieg Ägypten erreichte, brachte er auch enormen wirtschaftlichen Erfolg für Badia mit. Die Straßen von Kairo waren angefüllt mit englischen und französischen Soldaten, Spionen, Händlern und Schmuglern. Sie alle wollten unterhalten werden; das war die Chance für das „Casino Opera" und Badia passte ihr Show-Programm so an, dass es dem Geschmack der Soldaten entsprach.

Auch Hitler versuchte Badia für sich zu gewinnen, das schlug allerdings fehl. Badia hatte vielmehr eine Parodie auf Hitler im Programm. Daraufhin setzte Hitler seine Propagandamaschinerie in Gang und beschuldigte Badia, sie sei eine Verräterin, eine gefährliche Spionin und sie gehöre dem British Secret Service an. Es war allgemein bekannt, dass Churchills Sohn und der Herzog von Gloucester ihre Eskapaden in Badias Casino hatten.

Die ägyptische Filmindustrie blühte zu dieser Zeit auf. Sie produzierte zahllos Musicals und nahm Sänger und Tänzer unter Vertrag. Viele der Nachtclub - Szenen in den Filmen dieser Ära wurden tatsächlich im "Casino Opera" produziert und viele Tänzerinnen wurden hier entdeckt. Darunter Tahia Carioca und Samia Gamal, die populäre Filmstars in Ägypten wurden. Nadia Gamal, die später ein Star im Libanon wurde. Alle diese Tänzerinnnen und viele andere wie Naima Akef, Beiba Ezz Eddin, Beiba Ibrahim, Zuzu Mohammed, Ketty, Hoda Shamsadine, Layla Al Shaqraa (Badia´s Adoptivtochter), Nadia Salama und Hagar Hamdy verdanken Badia ihre Karriere, die ihnen den Start ermöglichte und sie unterrichtete (32).

Nicht nur Tänzerinnen auch bekannte Sänger und Musiker wie z.B. Farid El Atrache, Mohamad Abdel Wahab, Mahmoud El Sherif (33), oder Ahmed Sherif starteten ihre Karriere bei Badia. Ebenso Soraya Helmy und Ismail Yassin, 2 der größten ägyptischen Komödianten und Autoren wie Abou El Saud Al Ibiary, Mahmoud Fahmy, Ibrahim El Qalawy und Fahmy Aman.

Badia Masabni B8

Badia verdiente viel Geld während der Kriegsjahre, doch nach 1945 hatte die Welt sich verändert. Die große Zeit der Tanztheater war vorbei. Viele der Stars wechselten zum Film.

Auch die politische Situation war angespannt. Es kam zu antibritischen Demonstrationen (34) und etliche Gesetze, die das öffentliche Leben regelten, wurden verschärft. 1949 wurde Prostitution zur kriminellen Handlung erklärt. 1951 wurde jeglicher Kontakt zwischen Publikum und Tänzerin verboten.
1952 brannten in Kairo etliche westlich orientiere Kulturzentren wie Kinos, Theater, Nachtclubs und Hotels.
Gamal Abdel Nasser ägyptischer Ministerpräsident von 1952 bis 1954, und sittenstrenger Gegner von König Faruq I. (35), verhing kurz nach Antritt seiner Amtszeit von vielen Künstlern und Künstlerinnen und Nachtclubbesitzer/innen, die reich waren Unsummen an rückwirkenden Steuern. Etliche mussten ins Gefängnis weil sie nicht zahlen konnten, u.a. auch Tahia Karioka.

Auch Badia traf es hart. Sie sollte £74,000 (Ägyptische Pfund) zahlen, wenn nicht drohte auch ihr das Gefängnis. Zwar war das Casino zu dieser Zeit rund 1 Millionen Ägyptische Pfund wert, aber in der Notlage in der sie sich befand konnte sie es nicht verkaufen. Schließlich erhielt sie von Sofia Helmi, ebenfalls Tänzerin, eine Summe von 10.000 Ägyptische Pfund für ihr „Casino Opera“. Mit dem Rest ihres Vermögens flüchtete sie über Nacht in den Libanon.

Badia kaufte eine Farm in Chtura im Norden des Landes, nicht weit von der syrischen Grenze entfernt. Sie hatte ein gutes Auskommen durch die Farm und war nicht alleine, denn ihre Adoptivtochter Juliet, sowie einige ihrer Neffen und Nichten kümmerten sich um sie. Auch erhielt sie immer wieder Besuch von ihren Kolleginnen Samia Gamal and Taheya Carioca.

1976 starb Badia im Alter von 80 Jahren.

Sofia Helmi war es, die Badia´s Andenken bis in die 60ziger Jahre des letzten Jahrhunderts in Kairo bewahrte. In ihrem eigenen Nachtclub am Opera Square. Wie ihre Vorgängerin am Nil, war das “Casino Sofia Helmi” ein Anziehungspunkt für Intelektuelle. Später ging das Grundstück auf dem das „Casino Opera“ stand in den Besitz von König Feisal von Saudi Arabien über. Danach wurde Kairos erstes Sheraton Hotel auf dem Grundstück gebaut.

(1) Ausgesprochen: Badee-a Masubni (Quelle: Hossam Ramzy)
(2) „Raks Sharqi“ bedeutet wörtlich übersetzt „Tanz des Ostens“. Wir sprechen von „Orientalischen Tanz“, der sich aus den ägyptischen Volkstänzen entwickelt hat. Der Tanzstil, der sich unter Badia Masabni etabliert hat, führt heute die Bezeichnung „Cabaret-Stil“.
(3) Zu dieser Zeit wurde im Nahen Osten der Begriff “Kabarett” nur verwendet um ein heruntergekommenes, billiges Establishment zu beschreiben. Gehobene und seriöse Nachtclubs waren bekannt als "Sala".
(4)Damaskus gehörte damals zum Libanon.(5) „Masabna“ bedeutet im Arabischen "Ort der Seifenherstellung". „Masabni“ bedeutet "Seifensieder" (Quelle: Academia de Danza Arabe Priscilla Adum)
(6) Badia besuchte ihren Bruder in der Bar regelmäßig nach der Schule. Eines Nachmittags überredete der Barbesitzer Badia, herein zu kommen, obwohl ihr Bruder angeblich nicht da war. Er vergewaltigte das Kind. Badia floh nach Hause zu ihrer Mutter. Diese kehrte mit ihr in die Bar zurück um den Wirt anzuklagen. Sie fanden ihn und den Bruder Tawfik gemeinsam trinkend vor. Der Barbesitzer wurde zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt, kam jedoch nach 4 Wochen Haft wieder frei. Ihrem Bruder konnte keine Mitschuld nachgewiesen werden.
(7) Ihre Schwester Nazla arbeitete als Schneiderin. Sie war geschickt und wollte ein Geschäft eröffnen. Sie wählte das alte Haus der Familie und hielt schon bald Ausschau nach Mädchen, die sie als Helferinnen anstellen konnte. Doch die einheimischen Familien weigerten sich, ihre Töchter zu dem Haus zu schicken in dem Badia lebte. Nicht nur Badia auch ihre Schwestern wurden gemieden und verachtet. Die Situation eskalierte, bis eine ihrer Schwestern drohte entweder Selbstmord zu begehen oder Badia zu töten, würde Badia nicht das Land verlassen.
(8) In der damaligen Zeit galt Argentinien den Menschen der Levante als das, was Nordamerika für die Europäer war. Nämlich das Land in dem man Arbeit fand und ein gutes Leben führen konnte.
(9) Badia und ihre Mutter fanden zunächst Unterschlupf bei einer Schwester der Mutter. Das eigene Haus in Damaskus war noch immer verpfändet.
(10) Sheik Salama Hijazi (auch Hegazi), 1852 in Alexandria geboren, am 04. Oktober 1917 gestorben. Er gilt als Pionier des ägyptischen Musiktheaters. Hijazi war Schauspieler, Sänger und Theaterdirektor des “Salama Hijazi Theatre” in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
(11) Sayed Darwish, am 17.03.1892 geboren, am 15.09.1923 gestorben. Er war einer der berühmtesten ägyptischen Sänger und Komponist. Darwish gilt als der “Vater” der populären ägyptischen Musik. (Sein Tod ist bis heute ungeklärt. Manche glauben er sei vergiftet worden, andere glauben er sei an einer Überdosis Kokain gestorben)
Das Lied „Salma Yā Salāma“ komponierte er 1919 für das Stück "Qulu lu". Der Text stammt von dem ägyptischen Poeten Badi' Khairi. Das Lied erzählt von Nostalgie für das Heimatland, Heimweh und wie die Menschen ihr Glück finden ob reich oder arm. Das Lied wurde 1977 von der Sängerin Dalida neu interpretiert. Andere Versionen gibt es u.a. von Alabina, Chantal Chamandy, Jean Michel Jarre, Ziyent Sali, Krum & Miro und Atilla Taş
(12) Naguib el-Rihani, im Februar 1889 geboren, am 08. Juni 1949 gestorben, war ein ägyptischer Schauspieler. Als großer Komödiant auf der Bühne und im Film gilt er bis heute als der "Vater" der Komödie in Ägypten.
(13) Mounira El Mahdeya, geboren 1885 in Alexandria, gestorben 12.03.1965. Ägyptische Sängerin und Schauspielerin. Bekannt unter dem Namen "The Sultana", gilt als die führende ägyptische Sängerin zwischen den 2 Weltkriegen. Mounira El Mahdeya war die erste ägyptische Muslimin die als Schauspielerin auf der Bühne auftrat. Zuvor wurden weibliche Rollen von Männern gespielt oder christlichen und jüdischen Schauspielerinnen. Ihrem Vorstoß ist es zu verdanken, dass sich auch andere muslimische Künstlerinnen wagten ihre Kunst aus zu leben u.a. Bahige Hafez, Fatma Rushdi and Aziza Amir. Die Musikinterpretation von Mounira El Mahdeya markiert den Beginn der Ausbreitung der sogenannten “leichten” Musik die nach dem Krieg populär wurde und als das Gegenteil zu der traditionellen „gelehrten“ Musik galt.
(14) George Elias Abiyad, geboren 1880 in Beirut, gestorben 1959. Berühmter Schauspieler, Filmmacher und Theaterdirektor des „George Abiyad Theatre“
(15) Fouad Salem unterrichtete sie in arabischer Sprache, und sie begann arabische Theaterrollen zu lesen und den Text zu lernen. Bis dahin konnte Badia Libanesisch sowie Spanisch. Arabisch lernte sie nur zu lesen. Schreiben konnte sie die Sprache nie sehr gut.
(16) In den letzten 2 Monaten der Tournee auf dem Weg zurück nach Kairo bemerkte Badia das jemand ihren Auftritten folgte. Es war der Rechtsanwalt Saeed Zaki, der später einer ihrer besten Freunde wurde. Sie hatten allerdings nie eine Liebesbeziehung.
(17) Die Sala der Madame Jeanette war einer der Wegbereiter für Nachtclubszene in Beirut. Bevor Badia mit ihr über ein Engagement verhandelte, setzte sie sich einen Abend ins Publikum um die Künstlerinnen tanzen zu sehen. Das war mehr als ungewöhnlich, denn der Besuch von Nachtclubs war Männern vorbehalten. In der Pause stellte Shamoun Badia Madame Jeannette vor. Diese suchte eine arabischen Tänzerin um die europäische Atmosphäre um die orientalische zu ergänzen. So war es für Badia ein leichtes das Engagement zu erhalten.
(18) Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Awalim ihre große Zeit in Ägypten. Es handelte sich um Unterhaltungskünstler-innen. Sie waren ausgebildet in der Kunst zu tanzen, zu singen, Gedichte zu rezitieren und Musikinstrumente zu spielen. Sie traten vorwiegend vor einem weiblichen Publikum auf und wurden zu allen Arten von Feierlichkeiten geladen. (Quelle: http://bastet.bastet-online.de/Start-Bastet/Archivartikel/Die_Awalim.htm)
(19) Heute befindet sich dort das “Hamra Café”.
(20) Die alliierte Seeblockade und Lebensmittelrequirierungen der im Libanon operierenden deutschen und osmanischen Heeresverbände führten zu Hungersnöten und Seuchen, in deren Folge circa 100.000 der damals im Libanon lebenden 450.000 Menschen, vor allem Christen, umkamen. Während die deutschen Stellen dem Schicksal der Libanesen weitgehend tatenlos zusahen, kam es vor allem in den USA zu gewaltigen Protestaktionen, die u.a. von libanesischen Emigranten wie Khalil Gibran organisiert wurden. Viele Libanesen wanderten in dieser Zeit aus, vor allem in die USA, Kanada, Lateinamerika, Australien und nach Südafrika. (Quelle: wikipedia)
(21) Schriftliche Werbung für die Shows, so wie wir sie etwa durch Flyer und Zeitungsannoncen kennen, waren noch nicht üblich zu dieser Zeit. Vielmehr wurden Neuigkeiten durch einen „Ausrufer“ verkündet, der durch die Stadt lief und Details aus der Show den Menschen auf der Straße direkt erzählte.
(22) Eine ihrer Künstlerkolleginnen war derart eifersüchtig auf Badia, dass diese sie angriff. Es kam zur Rauferei zwischen den beiden Frauen in dessen Verlauf die Kollegin Badia die Diamantkette vom Hals riss. Ihre erste wertvolle Investition. Badia war derart wütend, dass sie sich weigerte erneut im Café aufzutreten. Erst nach mehrmaligem Vorsprechen des Besitzers, und schließlich der offiziellen Entschuldigung der eifersüchtigen Kollegin, trat Badia wieder auf.
(23) Darunter "Ya mena-anesha Ya Betaaet Elloze Taali NelAb Fard We Goze" (You beautiful and fresh girl selling Almonds. Come on let's play: Singles or doubles?) & "Yabol KeshaKesh Ya Tara? Kan Bas Eih Elli Gara?" (Oh Mr. KeshaKesh I wonder? What could have happened to you?)
(24) In den 20ziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine Amüsiermeile mit Nachtclubs, Tanzhallen (Discotheken) und anderen Unterhaltungsetablissements.
(25) Ghawazee = Straßentänzerinnen / ägyptische Zigeunerinnen. Ausführlich hier: http://www.al-diwan.de/musik/tanz-ghawazee.html
(26) Almeh (arab., d. h. die in Künsten "Gelehrte", Mehrzahl Awalim), Name der umherziehenden Tänzerinnen und Sängerinnen in Ägypten und Indien. Sie bilden eine eigne Zunft, werden häufig bei Festlichkeiten zur Unterhaltung der Gäste gemietet und haben auch in den Harems Zutritt. http://www.retrobibliothek.de/retrobib/s
Almeh (Pl. Awalim) nannten sich die gebildeten Unterhaltungskünstlerinnen Ägyptens, die sich mehr der Poesie und dem Gesang - und eher aus Not dem Tanz - widmeten. Gefunden auf http://www.bv-orienttanz.de/index.html
(27) Laut Ibrahim Akef wurden die Ensembletänze choreografiert, die Solodarbietugen waren improvisiert. Laut ihm war seine Kusine die Schauspielerin und Tänzerin Naima Akef, die erste die als Solo eine komplette Chorografie aufführte. Das choreografieren der Solonummern wurde später übliche Praxis bei den bekannten Tänzern.
(28) Isadora Duncan (geboren als Angela Isadora Duncan, * 27. Mai 1877 in San Francisco, USA; † 14. September 1927 in Nizza) war eine US-amerikanische Tänzerin und Choreografin. Duncan war die Wegbereiterin des modernen sinfonischen Ausdruckstanzes, entwickelte ein neues Körper- und Bewegungsempfinden, das sich am griechischen Schönheitsideal orientierte, und setzte als erste klassische Konzertmusik tänzerisch um. Als Gegnerin des klassischen Balletts versuchte sie, den Tanz der Antike wiederzubeleben.
(29) Das Riq (auch Riqq) ist ein arabisches Tamburin, das zur Gruppe der einfelligen Rahmentrommeln zählt. Der Durchmesser der Trommel beträgt ca. 24 cm, die Höhe ca. 6 cm. An der Seite des Riqs sind Schellen angebracht, z. B. in der Anordnung 5×2×2 Schellen. Früher wurde das Riq mit Fischhaut bespannt, aber heute nimmt man meist Ziegenfell dafür. Das Riq findet Verwendung in der arabischen Volksmusik, der klassischen arabischen Musik und auch zur Begleitung des Orientalischen Tanzes.
(30) Darbuka (auch derbouka) ist eine einfellige Bechertrommel aus dem Nahen Osten und dem arabischen Nordafrika.
(31) Die Nay oder Ney ist eine Längsflöte, die in der persischen, arabischen und türkischen Musik verwendet wird und im Wesentlichen nur aus einem offenen Rohr des Pfahlrohrs besteht.
(32) Laut einem Interview von Nadia Gamal im Magazin
Arabesque, unterrichtete Badia ihre Tänzerinnen jeden Nachmittag im Casino.
(33) Ahmed Sherif hat unter anderem “Wahawi Ya Wahawi” komponiert, ein Lied dass ägyptische Kinder noch heute vor allem während des Ramandan singen. „Nebayyen Zein We Nedog El Wadaa” ein Lied das sagt: Ich sehe eine gute Zukunft und ich verstehe es die Muschelschalen zu lesen. Sowie „El Erque Soos“
(34) Erst die Landung des französischen Expeditionskorps unter Napoleon Bonaparte 1798 beendete die Herrschaft der Osmanen. Als nach dem Seesieg des britischen Admirals Nelson bei Abukir im selben Jahr die Franzosen ihren Orientfeldzug abbrechen mussten, nutzte der albanische Offizier Muhammad Ali Pascha die Situation zur Ergreifung der Macht (1805–1849). Er und seine Nachfolger konnten unter osmanischer Oberherrschaft eine gewisse Selbständigkeit erringen, betrieben eine expansive Politik und leiteten die Geschichte des modernen Ägyptens ein. Der Bau des Sueskanals (1859–1869) machte das Land derart von ausländischen Anleihen abhängig, dass die von Großbritannien und Frankreich eingerichtete Staatsschuldenverwaltung zur eigentlichen Regierung des Landes wurde. Zur Sicherung des Verbindungsweges nach Indien erwarb Großbritannien die ägyptischen Kanalaktien, besetzte 1882 das Land und machte es 1914 formell zu einem Protektorat. 1922 wurde Ägypten unter Fu'ad I. ein schon weitgehend selbständiges Königreich und erhielt nach dessen Tod 1936 die Souveränität. Im Zweiten Weltkrieg wurde Ägypten zum Schlachtfeld der deutschen und italienischen Armeen unter Erwin Rommel und den Briten unter Bernard Montgomery. Britische Truppen blieben bis 1946 im Land. 1945 war Ägypten eines der 51 Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen. (Quelle: wikipedia)
(35) König von 1936 bis 1952. Faruq I. war bekannt für seine Leidenschaft für das Glücksspiel und seinem Hang zur Nachtclubszene.

Text

Alle Aussagen über Badia Masabny sind sehr bruchstückhaft. Das liegt vor allem auch an den seltenen Übersetzungen autobiografischen Materials aus dem Arabischen. Ich habe mich vor allem auf die englische Übersetzung des arabischen Authors Tarek Hashem von Priscilla Adum gestützt.
Academia de Danza Arabe Priscilla Adum


Weitere Quellen:
http://www.gildedserpent.com/art47/jalilahbadia.html
http://zainjordan.freeservers.com/legends.htm
http://www.belly-dance.org/badia-masabni.html
http://www.hossamramzy.com/stars/starsofegypt_badiea.htm
http://www.shira.net/about/badiabio2.htm
www.wikipedia.de
http://freemusicarchive.org/music/Munira_al-Mahdiyya/
“FROM BADI'A TO ABBAS - A LOOK AT GIZA'S RIVERSIDE DRIVE”, by Samir Raafat http://www.egy.com/giza/95-11-18.php Egyptian Mail, November 18-25; December 2, 1995, PART I
“Badi‘a Masabni, Artiste and Modernist” publishing.cdlib.org – University of California Press
“Die Geschichte des orientalischen Tanzes in Ägypten”. Barbara Lüscher. DIWAN-Verlag, Zürich, Schweiz, 2te. Auflage,2003.

Bilder

B1 Academia de Danza Arabe Priscilla Adum
B2 Academia de Danza Arabe Priscilla Adum
B3 Academia de Danza Arabe Priscilla Adum
B4 Academia de Danza Arabe Priscilla Adum
B5 Center for Documentation of Cultural & Natural Heritage, The Arts Documentation of Egypt
B6 http://www.belly-dance.org/badia-masabni.html
B7 “Badi‘a Masabni, Artiste and Modernist” publishing.cdlib.org – University of California Press
B8 http://www.belly-dance.org/badia-masabni.html