Von Cornelia Rother, Dezember 2011

"Die Friedliche"

Salomé Gemälde von Franz von Stuck, 1906

Salomé, ist die weibliche Form des hebräischen Namens "Salomo": der Friedliche. Doch Salomé ist „friedlich“ nicht zu denken. Ohne den Tod des Johannes Baptista, dem Täufer, existiert ihre Geschichte nicht. Genauso wenig wie ohne Erotik, denn Salomé tanzt vor dem König Herodes Antipas. Heute nennen wir ihn den „Tanz der sieben Schleier“, der erste Striptease - zumindest in der heutigen Interpretation. Hingerissen von Salomés Körper und ihren Bewegungen und besessen von dem Wunsch sie zu besitzen, erfüllt der König ihr jeden Wunsch: angestiftet von ihrer Mutter Herodias wählt Salomé den Kopf des Johannes.
Alle Figuren der Geschichte der Salomé – auch sie selbst – sind historisch. Johannes Baptista ist tatsächlich auf Befehl des Herodes Antipas hingerichtet worden. Allerdings ist es nicht erwiesen, dass Salomés Tanz dazu beigetragen hat. Ihr Tanz ist nur mit einem einzigen Satz in der Bibel überliefert, wobei ihr Name unerwähnt bleibt: Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, ihn gebunden und ins Gefängnis gesetzt um der Herodias willen, der Frau seines Bruders Philippus. Denn Johannes hatte ihm gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben. Und als er ihn töten wollte, fürchtete er die Volksmenge, weil sie ihn für einen Propheten hielten. Als aber der Geburtstag des Herodes begangen wurde, tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen, und sie gefiel dem Herodes." (Bibel, Matthäus, Kapitel 14, Der Tod des Täufers, Lk 3-6).
Auch die Folgen finden bei Matthäus Erwähnung: „Deshalb sagte er mit einem Eide zu, ihr zu geben, um was sie auch bitten würde. Sie aber, von ihrer Mutter angewiesen, sagt: Gib mir hier auf einer Schüssel das Haupt Johannes' des Täufers. Und der König wurde traurig; aber um der Eide und um derer willen, die mit zu Tisch lagen, befahl er, es zu geben. Und er sandte hin und ließ den Johannes im Gefängnis enthaupten. Und sein Haupt wurde auf einer Schüssel gebracht und dem Mädchen gegeben, und sie brachte es ihrer Mutter." (Bibel, Matthäus, Kapitel 14, Der Tod des Täufers, Lk 9-11).

Die Familie der Salomé

Verwandschaftsverhältnisse der Salomé

Flavius Josephus (* um 37 n.Chr. in Jerusalem, † um 100 n.Chr. in Rom) jüdischer Feldherr und Geschichts-
schreiber ist heute eine der wichtigsten Quellen zur Familiengeschichte der Salomé. Er schrieb über das Leben des Herodes I. "des Großen" (* um 73 v. Chr.; † März 4 v. Chr. in Jericho) und stützte sich dabei auf Werke die heute nicht mehr erhalten sind.
Herodes I. war väterlicherseits Salomés Großvater, mütterlicherseits ihr Ur-Großvater. Ihre Mutter Herodias war die Enkelin des Herodes I., ihr Vater ein Sohn. Ihr Stiefvater Herodes Antipas war ebenfalls ein Sohn des Herodes I.. Also der Bruder ihres Vaters und damit ihr Onkel. Sie selbst heiratete ihren Onkel Philippos, natürlich ein Sohn ihres Großvaters. Auch ihr zweiter Ehemann Aristobulos war mit ihr verwandt, der Sohn des Bruders ihrer Mutter, also ihr Cousin.

Kleinarmenien zur Römerzeit mit der Hauptstadt Nikopolis. Karte von Karl Spruner: Atlas antiquus. Gotha 1865.

Salomés erster Ehemann Philippos war Tetrarch (Regent) von Ituräa, Golan und Trachonitis. Ihr zweiter Ehemann Aristobulos wurde 54 n.Chr. vom römischen Kaiser Nero zum König von Kleinarmenien ernannt. Salome wurde dadurch zur Königin dieses Reiches, das mit dem Hauptort Nikopolis westlich von Großarmenien im nördlichen Anatolien lag. Mehr weiß man nicht über Salomé.

Ihre Mutter Herodias begann eine Beziehung mit dem Tetrarchen (Regenten) Herodes Antipas. Er verstieß daraufhin seine Frau, die Tochter des Nabatäerkönigs Aretas und heiratete seine Schwägerin Herodias. Ihr erster Mann Herodes Boethos wurde in der Verbannung ermordet. Dieser doppelte Ehebruch erregte bei den jüdischen Untertanen von Herodes Antipas starken Anstoß. Sein vorheriger Schwiegervater Aretas unternahm einen Vergeltungsfeldzug, bei dem das Heer des Herodes vernichtend geschlagen wurde.
Auch für das Christentum führt das Herrscherpaar eine blutschänderische Ehe und Johannes der Täufer hielt dem Paar diese schimpfliche Verbindung öffentlich vor. Im Frühjahr 35 n.Chr. wurde Johannes den Täufer festgenommen. Wahrscheinlich war Herodes Antipas die Anhängerschaft des Johannes zu bedrohlich geworden,
als es zum Zwist mit König Aretas kam. Die Hinrichtung erfolgte vermutlich im Spätsommer des Jahres 35 n.Chr.

Der biblische "Salomé" Stoff

Johannes Baptista, der Täufer Gemälde von Leonardo da Vinci, 1513-1516

Als Herodes Antipas an seinem Geburtstag ein prächtiges Gastmahl hielt, tanzte die Tochter der Herodias vor ihm und durfte sich dafür etwas wünschen. Auf Anstiftung ihrer Mutter verlangte Salomé das Haupt des Johannes Baptista, des Täufers, das ihr trotz der Bedenken des Herodes gebracht wurde und das Salomé der Mutter Herodias übergab.

Salomés Name taucht nirgendwo auf, selbst in der Bibel wird nur ihr Tanz erwähnt. Letztlich könnte man sogar zweifeln das Salomé tanzte. Sie ist gesichtslos, womöglich gar bedeutungslos. Denn bei dem Tod des Johannes des Täufers geht es um Machtpolitik – alle wollen ihn loswerden. Herodias weil sie ihre Ehe mit Herodes Antipas öffentlich kritisiert sieht. Herodes Antipas weil ihm die Anhängerschaft um den Propheten zu mächtig wird.

Die Tänzerin ist hier nur ein willenloses Vehikel um den Wunsch der Herodias an den Herodes Antipas zu transportieren. Und da dieser Tanz und das Versprechen jeden Wunsch zu erfüllen in der Öffentlichkeit von statten geht sieht sich der Herrscher an seinen Eid gebunden. Er muss den Johannes enthaupten um nicht das Gesicht zu verlieren.

Oskar Wilde

Sarah Bernhardt, als Salomé, 1896

Die Geburt der Salomé haben wir wohl letztlich Oscar Wild zu verdanken, der den biblischen Stoff als Einakter 1891 für die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt (1845 - 1925) schrieb. Das literarische Vorbild war Gustave Flubert "Herodias". 1892 sollte in London eine Aufführung stattfinden, die aber abgesagt wurde. In England war es verboten auf der Bühne biblische Charaktere darzustellen. Auch 1896 sorgte die Uraufführung in Paris für einen echten Skandal.

Oskar Wilde hält sich in seinem Theaterstück an den biblischen Stoff bis auf einen winziges aber entscheidendes Detail: Nicht Herodias flüsterte Salome ins Ohr, was sie als Wunsch einfordern soll, sondern hier verlangt Salome den Kopf des Johannes des Täufers durch eigenen Antrieb. Es ist ihr eigener Wille, damit steigt sie vom Werkzeug zur handelnden Protagonisten auf. Ihr Wunsch ist geleitet von Begierde, Leidenschaft und Rache.

Zum Inhalt:
Salome vernimmt vor dem Palast Herodes die Stimme des Propheten, der in einer Zisterne festgehalten wird. Johannes Baptist, der Täufer, Prophet und Verkünder eines neuen christlichen Zeitalters ist auf die Stiefmutter Salomes, Herodias, nicht gut zu sprechen. Er verurteilt öffentlich Heroidas Ehe mit dem Bruder und Mörder ihres ersten Gatten. Er sieht in ihr die Verkörperung einer Welt, die ihrem Untergang entgegen gehe: heidnisch, sinnlich,
verdorben. Salome beobachtet Johannes bei seiner Hassrede und wird plötzlich von einem
leidenschaftlichen Verlangen nach ihm befallen.

Salomé, Gemälde von Gustave Moreau, 1876

Sie fordert von Johannes berührt zu werden, sie will einen Kuss von ihm. Johannes ist empört von diesem Ansinnen und stößt sie von sich. Herodes hat dies alles beobachtet und bedrängt die schöne Salome für ihn zu tanzen. Er verspricht ihr dafür jeden ihrer Wünsche zu erfüllen. Sie tanzt für Herodes, und wie sie tanzt diesen „Tanz der sieben Schleier“! Herodes ist nun bereit ihre Bitte zu erfüllen und sofort entsetzt über ihren Wunsch: Sie fordert den Kopf des Johannes Baptist.

Herodes glaubt an Johannes, denn er hat Gott gesehen und sieht einen bedeutsamen Mann in ihm. Er bietet ihr alle Kostbarkeiten der Welt, doch Salome besteht auf ihren Wunsch. Johannes wird hingerichtet und Salome bekommt seinen Kopf übergeben. Diese greift danach und küsst ihn. Im selben Augenblick fällt der Scharfrichter das Beil gegen Salome auf Befehl Herodes und tötet sie.

Oscar Wilde gelang etwas Geniales: Die Verknüpfung einer biblischen Geschichte mit einem Motiv des französischen Symbolismus, der ‚femme fatale‘, dieser verhängnisvollen, verführerischen Frau. Salome, diese strahlende Schönheit, ausgestattet mit magisch-dämonischen Zügen, versucht Johannes erotisch an sich zu binden, stürzt diesen in den Tod und untergräbt dabei die Moral des Herodes Antipas.

Am 09. Dezember 1905 wurde die Oper Salome von Richard Strauss nach der Vorlage von Oscar Wild in Dresden an der Semper-Oper uraufgeführt.

Illustration zur Uraufführung der Oper "Salomé"

Quellen

www.web259.xps13.microserver.de
www.wikipedia.de
www.bibel-online.net

Salomé Darstellerinnen Anfang des 19. Jahrhunderts

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Salomé als Sujets in der Kunst

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Salomé im Spielfilm

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Tanz der sieben Schleier

Ausschnitt aus dem Stummfilm "Salomé", USA, 1923.
Regie: Charles Bryant
Titelrolle: Alla Nazimova


Tanz der sieben Schleier
Ausschnitt aus dem Spielfilm "Salomé", USA, 1953.
Regie: William Dieterle
Titelrolle: Rita Hayworth


Tanz der sieben Schleier
Ausschnitt aus dem Tanzfim "Salomé", Spanien 2002.
Regie: Carlos Saura
Titelrolle: Aída Gómez

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Die Göttin Hekate

Der Name der Herodias bedeutet „die große Gebieterin“ und galt seit dem 10. Jahrhundert als Synonym für "Hekate" Göttin der Zauberkunst.
"Sie wurde ursprünglich als eine Magna Mater (große Mutter) verehrt und man glaubte sie würde über die Erde, den Himmel und das weite Meer herrschen und über die Phasen von Geburt, Leben und Tod. Hekate vertritt den Aspekt der Übergänge (Geburt - Leben - Tod) und der Verwandlung. Der Glaube, diese Göttin Herodias herrsche über ein Drittel der Welt, wurde 936 vom Bischof von Verona verurteilt. ... Nach mancher Ansicht handelte es sich bei dem Tanz der Salomé um einen Schleiertanz, der den Abstieg der Göttin in die Unterwelt symbolisierte."
(Barbara G. Walker, Das geheime Wissen der Frauen, Seite 375)